In den nachfolgenden Zeilen werden Sie schnell bemerken, dass das Schicksal des Ortes Meuselwitz mit dem seiner Kirche immer auf das engste verbunden war. Blicken wir in die Zeiten zurück, so gut es die Quellenlage zulässt, dann finden wir nicht nur herrschaftlich kirchliche Strukturen, die diesen Ort prägten, sondern auch eine herzliche und selbstverständliche Verwobenheit der Menschen mit ihrer Kirche.
Aus dieser Zeit ist auch von einer bemerkenswerten Besonderheit zu berichten. Das katholische Kloster Marienthal war Patronatsherrin des evangelisch geprägten Meuselwitz. Dieses Zusammenspiel katholischer Obrigkeit und evangelischer Untertanen funktionierte offensichtlich sehr gut. Ein frühes ökumenisches Erbe, das uns Verpflichtung sein sollte.
Wer nun heute nach Meuselwitz hineinkommt, der sieht die Kirche „Zum Heiligen Kreuz” als Wahrzeichen dieses Ortes. Undenkbar wäre es, so meinen wir, wenn der Kirchhof und der ganze Ort eines Tages ohne sie daliegen würden.
Aus diesem Grunde sind wir sehr dankbar, dass wir mit Feuerwehr und Sportverein immer wieder Jubiläen gemeinsam begehen können. Es zeigt doch, dass hier Kirche, Vereine und Einrichtungen noch gemeinsam für diesen Ort stehen.
Geschichte
Zur Kirchengeschichte und Kirchbaugeschichte des Örtchens Meuselwitz
Bereits im Jahr 1346 wurde erstmalig in der Matrikel des Bistums Meißen eine Kirche in Meuselwitz urkundlich erwähnt. Darin ist zu erfahren, dass diese Kirche zum Erzpriesterstuhl Reichenbach zählte. Das wahrscheinliche Aussehen dieser im romanischen Baustil erbauten Kirche, die sehr der heutigen Kirche in Arnsdorf ähnelt, ist auf einem Diorama (Klebebild) dargestellt, das sich im Besitz der Gemeinde befindet.
In einer Urkunde aus dem Jahre 1238 wird erwähnt, dass das Kloster Sankt Marienthal die drei Güter Muslawitz (Meuselwitz), Gorch und Parode für 230 Mark (Taler) käuflich an sich gebracht hat.
Damit standen der Ort und auch seine Kirche bis 1866 unter der Patronatsherrschaft dieses Klosters. Mit der Patronatsherrschaft verbunden waren Rechte und Pflichten. Die Rechte bestanden aus Schutz- und Unterhaltsleistungen, auch was den Kirchbau und die Alimentation des Pfarrers betraf. Zu den Pflichten zählten jährliche Abgaben aus den Ernteerträgen oder aus Finanzerträgnissen, sowie Hand-, Spann- und Kriegsdienste.
Im Jahre 1525 erfolgte in der Oberlausitz die Einführung der Lehre Martin Luthers. Dieses Ereignis ging auch am Kloster in Ostritz nicht spurlos vorüber. Dazu ein Zitat aus dem Buch “Die Oberlausitz als besondere Abteilung von Sachsens Kirchen-Galerie, Bericht über die geschichtliche Entwicklung des Kloster Sankt Marienthal”, Dresden 1837, (S. 357): “Schon waren jetzt die Bewohner der Städte und meisten Dörfer zum Protestantismus übergetreten, auch die große Mehrzahl der Stiftsunterthanen; und selbst im Kloster zeigten sich von jetzt an Spuren protestierenden Geistes. Sämtliche Klöster in Meißen waren aufgelöst, mehrerer Conventualinnen Aeltern in den benachbarten Orten protestantisch geworden; kein Wunder, wenn im Kloster selbst manche Bewegung entstand, welche der Reformation ihren Ursprung zu danken hatte. Selbst durch die That beurkundeten mehrere Äbtissinnen ihr Vorliebe für den Protestantismus, und wahrscheinlich würde das Kloster sich aufgelöst und dadurch die umliegende noch katholische Bevölkerung ihren letzten Stützpunkt verloren haben, wenn nicht selbst mit Gewalt die kirchlichen Obern des Klosters den Katholiscismus aufrecht erhalten hätte.”
Im Jahre 1547 wurde der erste Schullehrer in Meuselwitz erwähnt. Das Relief dieser ersten Schule, zu finden in der Schulchronik Meuselwitz, soll von Pfarrer Wiegand (1853-1862 Pfarrer in Meuselwitz) sein. Schulbücher waren die Bibel, das Gesangbuch, ein ABC-Buch und Luthers Kleiner Katechismus. Der Schulhalter wurde von der Gemeinde und den Ortsrichtern gewählt und betrieb in der Regel nebenbei noch ein Handwerk.
Der erste evangelische Pfarrer, Johannes Conradus Konradus, nahm im Jahre 1549 seine Arbeit in der Kirchengemeinde Meuselwitz auf. Letzter katholischer Priester scheint 1528 Bartholomäus Stuer gewesen zu sein.
Durch Staatsvertrag vom 30. Mai 1635 zwischen Böhmen und Sachsen wurde die Lausitz während des 30jährigen Krieges zu Sachsen geschlagen. Damit ging auch das Kloster Sankt Marienthal in Ostritz samt all seinen Besitzungen (u. a. Meuselwitz, Borda und Gurig) zu dem Domstift Sankt Peter zu Budisin über. So wurde auch die Patronatsherrschaft des Klosters Sankt Marienthal über den Ort Meuselwitz wieder gefestigt, wobei man die Protestanten jedoch tolerierte. Dieser ungewöhnliche Umstand zeigte sich auch darin, dass das evangelisch geprägte Meuselwitz durch das katholische Kloster weiterhin finanziell unterstützt wurde, wie es sich im Folgenden noch oft nachweisen lässt.
Die alte Kirche von Meuselwitz erhielt im Jahr 1697 eine neue Orgel. Über diese Orgel wird in einem Schreiben vom 29. November 1811 an die damalige Äbtissin des Klosters Ostritz erwähnt, dass im Jahr 1810 eine kleine Reparatur von 30 Talern von Nöten gewesen wäre. Diese Reparatur konnte erst 1811 durchgeführt werden und das Kloster würde gebeten sich anteilig an den Kosten zu beteiligen. Am 7. November 1841 untersuchte der bedeutende Orgelbaumeister Carl Friedrich Ferdinand Buckow aus Hirschberg (1801-1864) die Orgel und gab ein vernichtendes Urteil ab. In dem Gutachten bot Buckow der Gemeinde für insgesamt 657 Taler die in seinem Besitz befindliche alte Orgel der Görlitzer Frauenkirche an, die er durchgreifend überholt und teilweise erneuert und modernisiert hatte. Das Angebot von Buckow wurde von der Kirchengemeinde abgelehnt. Am 26. April 1849 bat Pfarrer Conrad das Kloster St. Marienthal um Genehmigung einer Orgelstimmung durch Orgelbauer Naumann aus Weißenberg, die höchstens 6 Taler kosten sollte. Im Kostenanschlag zum Kirchenneubau vom 20. Januar 1855 schreibt Bauunternehmer Julius Neumann: “Die alte Orgel ist der Ersparnis wegen noch zu verwenden, nachdem sie eine bedeutende Reparatur erhalten hat”, und veranschlagte die Abnahme und Aufstellung der alten Orgel und Ausführung der bedeutenden Reparatur auf 50 Taler. Der Patronatskommissarius Justizrath Sattig in Görlitz (ab 1. August 1856 Oberbürgermeister von Görlitz) genehmigte am 15. November 1855 sechs Taler zur Umsetzung der Orgel aus der Kirche in die Scheune. In der Endabrechung des Kirchenneubaus vom 7. Oktober 1857 heißt es: “Die Aufstellung der Orgel ist nicht erfolgt.” Vermutlich wurde die Orgel zum Baubeginn der Kirche am 1. März 1856 in der Pfarrscheune eingelagert. Über das weitere Schicksal der alten Orgel ist derzeit nichts bekannt.
Im Jahr 1706 wurde der Bau des über der Sakristei der alten Kirche von Meuselwitz befindlichen Betstübchens durch Kasper von Nostitz begonnen. Die Kirchengemeinde Meuselwitz erhielt 1728 von der Äbtissin des Klosters Sankt Marienthal einen Abendmahlskelch gestiftet. Auf dem Kelchfuß findet sich folgende Gravur: ” Des Klosters St. Mariental Clara Aabbatis und Dom 1728″ (Des Klosters St. Marienthal’s Clara, Äbtissin und Herrin).
Zu der Situation nach der Napoleonischen Zeit schrieb am 09. Juli 1817 der damalige Pfarrer von Meuselwitz, Johann Traugott Buchwald, über die Kirche: “Da schon vor mehreren Jahren eine Reparatur und Dachung des Turmes notwendig geworden, und damals schon gnädige Bewilligung erfolgt war, so wurde im Monat Juni 1817 dazu geschritten. Der Zimmermeister war Traugott Richter aus Weißenberg, der Kirchvater Donath, Häusler und Schneider in Meuselwitz, führte die Aufsicht. Der Knopf ist halb auf Kosten der Gemeinde vergoldet, die Fahne aber auf Kosten des jetzigen Erb- und Lehnrichters Schenker, des Georg Noack und des Gerichtsschöffen Gottfried Schlenker. Sehr viel hat sich in den 50 Jahren, seitdem derselbe Turm ausgebessert worden, geändert. Ein Krieg der einige und zwanzig Jahre dauerte, hatte ganz Deutschland, ja die ganze kultivierte Welt in Aufruhr, Uneinigkeit, Sittenlosigkeit und Verarmung gebracht, und das Ende dieses Krieges fiel Sachsen fast allein zur Last. Mehrere Retierenden (Zurückziehenden A.d.V.) der preußischen und verbündeten russischen Armee, sowie der ihnen auf Fuß folgenden französischen Heere gingen durch alle fünf Dörfer des Kirchspiels und trafen vorzüglich auch Meuselwitz, so dass die meisten Einwohner mehrer Tage von ihren Häusern entfernt leben mussten. Die Kirche Meuselwitz wird hierbei ihres silbernen Kelches, dergleichen Oblattenschachtel und Tellers beraubt, auch stahl ein französischer Offizier die eine Kerze vom Altar. […] Schulhalter ist gegenwärtig Jakob Burkhardt, Häusler in Meuselwitz; Organist der Schulmeister zu Melaune Herr Lorenz, Pfarrer der Unterschriebene. Meuselwitz den 09. Juli 1817. Johann Traugott Buchwald.”
Im Jahr 1841 stiftete, wahrscheinlich aus Anlass seiner Pensionierung, Pfarrer Johann Traugott Buchwald zwei Altarkerzenständer für den Altar, die noch heute dort stehen. Im Jahr 1853 wird Carl Heinrich Wiegand Pfarrer in Meuselwitz. Er war hier bis 1862 Pfarrer. In seiner Amtszeit erfolgte der Neubau der Kirche in Meuselwitz. Danach wurde er als Pfarrer und späterer Oberpfarrer nach Reichenbach versetzt, wo er am 13. September 1901 verstarb.
Im Jahre 1866 erfolgte die Abgabe des Patronats von Meuselwitz des Klosters Sankt Marienthal zu Ostritz an den Liegnitzer Regierungsbezirk. Damit endete eine lange Geschichte einer katholischen Herrschaft über eine Evangelische Kirchengemeinde.
Zu erwähnen bleibt nun noch aus der neueren Geschichte, dass es immer wieder pfarramtliche Verbindungen zu Nachbarorten gab, die aber häufig wechselten. Melaune und Reichenbach waren die meist mit Meuselwitz verbundenen Pfarreien. Deshalb sind heute auch noch Kirchbucheintragungen aus dem Kirchspiel Meuselwitz in Melauner Büchern zu finden.
Meuselwitz gehörte bis 1997 zu der Superintendentur von Reichenbach und hatte zu der Zeit auch den amtierenden Superintendenten Christoph Werner zum Pfarrer. Mit der Auflösung dieses Kirchenkreises Ende 1997 wurde die Pfarrstelle von dem Reichenbacher Pfarrer Christoph Wiesener in Personalunion versorgt. Das Pfarrhaus wurde aufgelöst und samt seinen Nebengelassen (Pfarrscheune – beides Am Sportplatz 1 gelegen und nebst Straße Eigentum der Kirchengemeinde) an den Landwirt Eberhard Glück verkauft. Als Ersatz für den Verlust dieser Anlaufstellen in der Gemeinde tauschte die Gemeinde mit der Kommune Reichenbach ein Bauhofgelände, das in ihrem Eigentum stand, gegen das unmittelbar daneben platzierte Schulgelände, auf dem und in dem die Gemeinde schon seit 1994 eine Kindertagesstätte betreibt. In dieser KiTa wurden Gemeinderäume eingerichtet und so auch Platz für eine Winterkirche und Gemeindeveranstaltungen geschaffen.
Im Jahre 2004 dann vereinigten sich die beiden Kirchengemeinden Meuselwitz und Reichenbach zu der „Evangelischen Kirchengemeinde Meuselwitz-Reichenbach/OL”. In demselben Jahr vereinigte sich auch die kleine Landeskirche Ev. Kirche der schlesischen Oberlausitz, die Nachfahrin der großen Schlesischen Landeskirche, zu der Meuselwitz seit 1815 gehörte, mit der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg zu der neuen Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Die Kirche
Der Bau der heute noch in Meuselwitz stehenden Kirche erfolgte von 1856 – 1857. Der Neubau wurde erforderlich, da die alte Kirche baufällig und vor allem zu klein war. Es ist nur durch ein großes Interesse der Bevölkerung und des Bauherrn zu erklären, dass Meuselwitz im Jahre 1857 einen so stattlichen Kirch- und Orgelneubau erhielt.
Am 6. Dezember 1855 erfolgte eine Anhörung zum Neubau der Kirche vor der Kirchengemeinde durch den Gemeindekirchenrat. Die Kirchengemeinde verlangte nur, dass die Kirche auf dem jetzigen Platze sowie auf dem Kirchhof bleiben und nach der Zeichnung des königlichen Baurates Hamann erfolgen soll.
Am 30.10.1855 schloss die Kirchengemeinde mit dem Meuselwitzer Bauunternehmer und Richter Julius Neumann einen Vertrag über den Neubau der Kirche ab. In vorangegangenen Planungen war noch die Möglichkeit eines Erweiterungsumbaues der alten Kirche geprüft, aber letztlich verworfen worden. Als Baubeginn war zunächst der 1. März 1856 und als Fertigstellungstermin der 1. Dezember 1856 vorgesehen. Der Kirchenneubau war anfangs mit dem Einbau einer Empore im Schiff geplant. Noch während der Bauarbeiten wurde beschlossen, eine zweite Empore einzufügen. Warum diese Entscheidung kurzfristig getroffen und woher vor allen Dingen der erhebliche finanzielle Mehraufwand gedeckt wurde, ist derzeit nicht bekannt.
Am 5. September 1856 wurde der Turmknopf aufgesetzt. Laut Kontrakt, basierend auf den Kostenangeboten des Bauunternehmers vom 20. Januar 1855 und vom 11. Juli 1855, sollte der Neubau der Kirche 5.003 Taler kosten. Die mit der Fertigstellung des Baus am 7. Oktober 1857 eingereichte Endabrechnung, wies 6.167 Taler aus. Zusätzlich wurde dem Bauunternehmer das Material der alten Kirche mit 687 Talern verrechnet. Die 3 Glocken wurden im Jahr 1856 von den Gebr. Gruhl aus Kleinwelka gegossen. Die große und mittlere Glocke wurden im 1. Weltkrieg im Jahre 1917 durch das Deutsche Reich beschlagnahmt und eingeschmolzen. Im Jahre 1921 ersetzte man beide Glocken, wobei die Kirchengemeinde 660 kg Geschützbronze erwarb und mit 168,5 kg neuer Bronze anreicherte. Am 8. Oktober 1857 nahm der königliche Baurat Hamann aus Görlitz die neu erbaute Kirche ab.
Der Innenraum der Kirche, vor allem die Apsis ist geschmückt durch den Altar, die Kanzel, den Taufstein und zwei Farbglasfenster in der Ostwand. Der Altar trägt im Zentrum ein rechteckiges Ölbild mit der Darstellung der Emmausjünger; als sie Jesus beim Brotbrechen erkennen (Lk 24,31). Das Bild wurde wahrscheinlich vom Dresdner Maler Friedrich Gonne gemalt. Die Kanzel ist im frühgotischen Stil ohne Farbfassung ausgeführt und interessanterweise um 1680 angefertigt worden. Wahrscheinlich stammt diese noch aus der Vorgängerkirche. Die Relieftafeln des Kanzelkorbes zeigen die vier Evangelisten.
Aus der jüngeren Zeit ist zu vermerken: Neben der Kanzel steht eine geschnitzte Holzfigur, Mose mit den Gesetzestafeln, von denen eine nebst Hand verloren ist. Ob diese Figur den Kanzelkorb in der Vorgängerkirche trug, oder ob das Gerücht stimmt, dass ein Flüchtling des II. Weltkrieges sie aus seiner Heimat vor der plündernden Soldateska rettete, ist nicht zu belegen.
Im Jahre 1993 begann unter der Leitung von Superintendent Christoph Werner eine in mehrere Bauabschnitte eingeteilte Grundsanierung der baufällig gewordenen Kirche, die bis heute andauert. Die Granitplatten des Fußbodens im Altarraum wurden neu verlegt und der Wandsockel der Apsis saniert. 93 Jahre nach seiner letzten Sanierung erfolgte eine Ersetzung des Turmknopfes und eine Restauration des Turmkreuzes, sowie eine Reparatur des Turmdaches und die Erneuerung der Außenhaut des Turmes nebst Westfassade der Kirche. In den Jahren 1998 erfolgte die Ertüchtigung der Balkenlagen und die Neudeckung des Langhausdaches mit Schiefer, die statische Stabilisierung der Apsis durch eine Vernadelung mit dem Langhaus, die Sanierung der Zugänge zur Sakristei und Loge, die Erneuerung des E-Hausanschlusses und der erste Teil der Neu-Installierung der Elektrik, die Sanierung des Sockelputzes im Langhaus nebst dazugehörigem Fußboden. Danach wurde der Vorplatz der Kirche gepflastert und die Leichenhalle saniert. Die Innenaufgänge (Treppen und Podeste) im Turm wurden komplett erneuert, die Steuerungstechnik des Uhr- und Läutewerkes ersetzt und der Glockenstuhl saniert. Um das alles zu finanzieren, wurde die alte mechanische Kirchturmuhr von 1909 für 1.500 DM an einen Uhrenliebhaber verkauft.
In Vorbereitung auf das Jubiläum „150 Jahre Kirch- und Orgelweihe” im Jahr 2007 wurden der Eingangsbereich der Kirche neu verputzt und gemalt, die Aufgänge zu den Emporen im Putz repariert und neu gestrichen. Die Unterseiten der Emporen erhielten einen Neuanstrich. Die Putzschäden an der Westwand innen und dem Deckenbereich über der Orgel wurden beseitigt und die farbliche Fassung wieder sichtbar gemacht.
Im nun letzten Bauabschnitt innerhalb von 16 Jahren wurden 660 Quadratmeter Außenputz erneuert, ebenso 250 Quadratmeter der Innendecke. Dieses Bauvorhaben kostete natürlich viel Geld. Die Gemeinde sammelte auf äußerst ungewöhnliche Weise dafür, denn nur ein Teil der Finanzierung konnte über die Denkmalpflege, Stiftungen und den europäischen Fond ILE abgedeckt werden.
„Meuselwitz haut auf den Putz” hieß die Aktion, die am 1. Mai 2010 startete. Unterstützer konnten den Außenputz für zehn Euro und die Kircheninnendecke zu 20 Euro pro Quadratmeter freikaufen. Die Spendenbereitschaft war enorm, so dass der größte Teil der benötigten Mittel bis Weihnachten 2010 zusammengekommen war. Mit dieser außergewöhnlichen Aktion bewarb sich die Gemeinde an dem von der Landeskirche und dem Wichern-Verlag Berlin aller zwei Jahre ausgelobten EKBO-Hahne-Preis und wurde mit dem 3. Platz belohnt. Damit wird außergewöhnliche Gemeindearbeit anerkannt, die Menschen bewegt und zueinander bringt.
Am Heiligabend 2010 bekamen die Meuselwitzer das „größte Weihnachtsgeschenk der Oberlausitz” überreicht: ihre Kirche – in restauriertem Zustand. Aus der Kuppel fällt das Licht direkt auf den Altar. Die Orgelempore erstrahlt in hellem Glanz und an der Innendecke sind Malereien und zwei Rosetten zu entdecken, die dreidimensional farbig gestaltet sind.
Im Oktober 2015 wurde die Lichtanlage unter den Längsemporen um 3 Leuchten links- und 4 Leuchten rechtsseitig erweitert. Sie wurden den Lampen unter der Orgelempore angepasst.
Da am Altar der Zahn der Zeit nagt haben wir ihn restaurieren lassen, um damit auch die Restauration unserer Kirche mit seiner vollen Schönheit beschließen zu können. Das nötige Geld wurde mit einer Sammelaktion erbracht, dazu haben wir zur „PUZZLE-KAMPAGNE 2019″ aufgerufen.
Vom Altar haben wir ein Holzgroßpuzzle mit 500 Teilen erstellen lassen. Die Puzzleteile konnten für 10 € erworben und jeder Spender, jede Spenderin konnte selbst die Anzahl der Teile einfügen, die seiner Spendensumme entspricht, bis das Bild fertig ist und die Restauration erfolgen konnte.
Die Puzzle-Kampagne war eine tolle Aktion und es war wunderbar zu erleben, wie die Menschen sich begeistern ließen. Die ganze Gemeinde nahm regen Anteil an dieser Aktion und so wurden dem GKR und den Organisatoren wunderbare Erlebnisse durch Spender geschenkt.
Resonanz dieser tollen Aktion ist, dass der Altar bereits restauriert werden konnte und das Ergebnis zum Kirchweihfest 2019 bewundert werden kann.
Menger-Orgel
Zur selben Zeit, wie über den Kirchneubau wurde auch über einen Orgelneubau verhandelt, der erstmals am 2. Februar 1856 in einem Schreiben von Pfarrer Wiegand an den Superintendenten Hauser in Cunnewitz Erwähnung findet. In einer Kostenschätzung vom 29. Mai 1856 durch Patronatskommissarius Sattig ist ein Betrag von 800 Reichstalern aufgeführt. Der Gemeindekirchenrat befasste sich am 28. Mai 1856 mit dem Orgelneubau und legte fest, Angebote zum Bau einzuholen. Durch Pfarrer Wiegand wurden von vier Orgelbaumeistern folgende Angebote eingeholt:
12.7.1856: Heinrich Biestermann, Nieder Bielau (838 Taler ohne Gehäuse)
20.8.1856: Joh. Fr. Schulze&Söhne, Paulinzella (1.121 Taler)
30.8.1856: Schinke, Lauban (667 Taler ohne Gehäuse)
14.9.1856:Wuensche, Breslau (1.084 Taler ohne Gehäuse)
Nach langem Hin und Her wurde der Auftrag an Orgelbaumeister Johann Friedrich Schulze & Söhne aus Paulinzella vergeben. Aber dies alles nahm eine überraschende Wende als am 29. Januar 1857 Michael Menger, einer der bedeutendsten Orgelbauer seiner Zeit (nach dem Gutachten von Jiri Kocoourek 2003), aus Paulinzella ein Angebot von 1.150 Talern (spätere Reduzierung auf 1.100 Taler) abgab. Wie es zum Kontakt zu Menger kam, ist ungewiss. Jiri Kocoourek schreibt in seinem Gutachten aus dem Jahr 2003, dass Pfarrer Wiegand wahrscheinlich selbst in Paulinzelle bei Schulze gewesen war und der ihn wegen Arbeitsüberlastung an Menger weitervermittelte. Jedenfalls unterschrieb die Äbtissin des Klosters St. Marienthal, Gabriele Marschner, am 11. März 1857 den Kontrakt zum Bau der Orgel in Höhe von 1.100 Talern durch Michael Menger. Bemerkenswert ist, dass alle Orgelteile mit der Eisenbahn von Paulinzella nach Reichenbach transportiert wurden. Am 16. Mai 1857 erfolgte die Abnahme des Orgelbaus durch den Königlichen Musikdirektor Karow aus Bunzlau.
Mit dem Jahre 2003 wurde deutlich, die Menger-Orgel ist dringend überholungsbedürftig. Und so wurde in der Folgezeit intensiv dafür gesammelt. Das geschah durch die unterschiedlichsten Aktionen. Es wurden in der Reichenbacher St. Johanniskirche mehrere Benefizkonzerte und -veranstaltungen durchgeführt, in einer Straßensammlungen gingen Gemeindeglieder und Pfarrer von Haus zu Haus, der hohen Summe wegen wurden die Gemeindeglieder dazu animiert, mit Hilfe eines Orgel-Schweines für die Orgel zu sparen und es gab immer wieder Spendenaufrufe. Im September 2006 dann baute die Orgelbaufirma Soldan aus Hohendubrau/Weigersdorf die Orgel aus und sanierte sie im August 2007 grundlegend. Der dafür veranschlagte Betrag beläuft sich auf 16.000 €.
Fotogalerie Kirche Zum Hl. Kreuz (Meuselwitz)




























